Geschichte der Klusstiftung

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Kurzfassung der vorliegenden Chronik vom 13.-21. Jahrhundert

Die Klusstiftung ist erwachsen aus dem Schneidlinger – Börnecker Kaland, einer Bruderschaft mit den Rechten einer Gilde. Als Gründungsjahr gilt das Jahr 1264. Die innere Veranlassung dazu war die schlechte wirtschaftliche Lage der Landgeistlichen.
Der Name „Kaland“ leitet sich vermutlich ab von „Kalender“, und bezieht sich auf das regelmäßige Zusammenkommen der höchstens 7 Mitglieder des „Kaland St. Catharinae“, bestehend aus den Priestern von Schneidlingen, Groß Börnecke und Cochstedt. Sie kamen an jedem ersten Tag eines Monats zusammen und beratschlagten, was zur Förderung ihrer Gesellschaft nützlich sei, sozusagen eine geistige und wirtschaftliche Selbsthilfe der Landpriester. Erst 1589 kam der Begriff Klus oder Clause auf.
1264 genehmigte Markgraf Johann v. Brandenburg den Bau eines Hospitals. Bischof Volrad von Halberstadt unterstützte dieses Hospital, indem er die im Jahr 1266 errichtete Katharinenkapelle zu einer selbstständigen Kirche erklärte und ihr zum weiteren Unterhalt einen Zehnten zuschrieb. – Dies wurde nun Einnahmequelle des Klerus.

Der Ort war so gewählt, dass die Entfernung nach Cochstedt und Groß Börnecke (damals noch Preußisch Börnecke) gleich weit war. Hospitäler waren im Mittelalter Krankenhaus und Herberge zugleich. – Der Landpriester bekam dort seine Mahlzeiten und bei Krankheit Pflege und Obdach. Bei seinem Tod bekam er ein ehrenvolles Begräbnis und Seelenmessen.

Bald wurden auch Laien in die Bruderschaft aufgenommen, da dies vorteilhaft für beide Teile war: Die Zahl der Mitglieder konnte nun durch Laien auf die Jüngerzahl 12 erhöht werden und die Laien kamen in den Genuss der Fürbitten für ihre Seelen nach dem Tod, was sonst nur für Klosterbewohner möglich war. Außerdem bekam der Kaland Eintrittsgeld von den Laien. – Die Mitgliedschaft wurde an Familienmitglieder vererbt. Ab 1564 lag schließlich die Leitung des Kalands ganz in Händen der Laien. Die Geistlichen waren Angestellte und bekamen für jede Predigt 7 Groschen.

Unter dem Einfluss der Reformation lösten sich die Kalanden oft auf oder änderten ihren Stiftungszweck. So manche kirchliche Stiftung wurde auch von dem französischen Regime unter Napoleon aufgelöst. Nicht so die Schneidlinger. Sie lebte als völlig weltliche Bruderschaft weiter. Jetzt wurden auch Spenden an Arme verteilt.

Während des 30-jährigen Krieges verringerte sich der Landbesitz. 1725 wollte die Preußisch-Halberstädtische Regierung das Vermögen der Klus einziehen (zum damaligen Zeitpunkt 8 Hufe, 21,5 Morgen). Nach langem Streit, wem nun die Klus-Äcker gehörten, gab es 1733 einen Richterspruch aus Frankfurt, der besagte, dass die Äcker dem Domkapitel Halberstadt zugeschrieben werden. Nun sah sich das Domkapitel auch gezwungen, die Armenarbeit zu intensivieren. Wo früher nur 7 Leute gespeist werden konnten, waren es danach bis zu 40 Personen.

Die schwerste Krise kam während der westfälischen Fremdherrschaft – 1810 verfügte diese Regierung die Aufhebung geistlicher Stiftungen und Einziehung aller Vermögenswerte. Auch Halberstadt fiel darunter. Die Klusstiftung konnte aber Dank eines guten Amtmanns (Bürgermeister) ihr Vermögen zur Armenversorgung behalten. Nach Übergang der Region in Preußischen Besitz wurde am Status der Klus als Armenstiftung nicht mehr gerüttelt. 1821 wurden die Pfarrer Saeger von Schneidlingen und Franz Braune von Börnecke mit dem Entwurf neuer Statuten für die Stiftung beauftragt. – Die Stiftung nimmt nun notleidende arme Leute, über 60 Jahre alt, in ihrem Hospital auf, Schneidlingen und Börnecke haben Anrecht auf je 15 Plätze.
Erinnernd an die Kalandszusammenkünfte wurde an Johanni (24. Juni) und Martini (11.Nov.) zuerst in der Katharinenkapelle, dann in den Kirchen beider Ortschaften ein sogenannter Klus-Gottesdienst abgehalten , mit dem Abendmahl und der Verteilung einer Klus-Spende als Höhepunkte.

Die Kirche St. Catharinae wurde 1803 abgerissen, da sie sehr baufällig geworden war, und auch das Hospitalgebäude war weitgehend zerfallen. 1875 wurde das schon Jahre zuvor geplante jetzige Katharinenstift als Alterssitz für 12 Personen gebaut, in das wieder eine Kapelle integriert war. 1962 lebten nur noch 3 alte Menschen in dem Altenheim, und so zogen gegen den Widerstand des Dorfes im Oktober 1962 drei Diakonissen aus Wolmirstedt mit 7 geistig behinderten Mädchen in das Haus ein. Seither wurden Namen wie „Kinderheim“ oder „ev. Kinderpflegeheim“ gebräuchlich. 1989 wurde mit Hilfe des Diakonischen Amtes, später Diakonischen Werkes, in Magdeburg die Wiederbelebung der Stiftung betrieben.
Als 1990 die Schulpflicht auch auf Kinder mit geistiger Behinderung ausgeweitet wurde, entschied sich der Vorstand, damals unter dem Vorsitz von Hrn. Sup. Mücksch, schnell zur Gründung einer Schule. Zuerst waren die Klassen in den Pfarrhäusern von Schneidlingen, Groß Börnecke und Wilsleben untergebracht. Dann aber entschied sich der Vorstand für einen Neubau auf dem Gelände der Stiftung.
Erst 10 Jahre später waren auch die Ersatzneubauten der Wohnstätten fertig, 20 Plätze für Kinder, 20 für erwachsene Menschen mit schweren und schwersten geistigen und mehrfachen Behinderungen. Und so wurden das Katharinenstift und das ehemalige Wohnhaus des Heimleiters leergezogen. Das Katharinenstift beherbergt jetzt die Fördergruppe, das Wohnhaus ist Verwaltungsgebäude.

750 Jahre Klusstiftung

Die Klusstiftung zu Schneidlingen und Groß Börnecke wurde im Jahr 1264 gegründet. Seit dieser Zeit wird sie als christliche Einrichtung geführt, in der sich bis heute Menschen für Menschen helfend und unterstützend einsetzen.

Wir gründen unsere Arbeit auf das biblische ganzheitliche Menschenbild und vertrauen darauf, dass Gott sowohl Mitarbeitende als auch Bewohnerinnen, Bewohner, Schülerinnen, Schüler und ihre Angehörigen auf allen Wegen begleitet.
Im Jahr 2014 begehen wir unser 750-jähriges Jubiläum. Unsere Stiftung ist seit 1962 eine Einrichtung der Eingliederungshilfe für Menschen mit geistigen Behinderungen. Unsere Angebote umfassen verschiedene stationäre und ambulante Wohnformen für Kinder und Erwachsene sowie eine Tagesförderung.
Unsere staatlich anerkannte Förderschule für Menschen mit geistiger Behinderung wurde im Jahre 1990 gegründet. Sie arbeitet nach neuesten pädagogischen, therapeutischen Erkenntnissen und orientiert sich dabei an den Rahmenrichtlinien des Landes Sachsen-Anhalt.

Ein Beitrag zum Thema „750 Jahre Klusstiftung” für radio SAW ist über folgenden Link erreichbar:
soundcloud 750 Jahre Klusstiftung Schneidlingen und Groß Börnecke

Ein weiterer Beitrag, ebenfalls für radio SAW, mit dem Titel „Kirchenkreis Egeln feiert Kreiskirchentag und 750 Jahre Klusstiftung” kann über diesen Link aufgerufen werden:
soundcloud Kreiskirchentag

Lesen Sie auch folgende Artikel zum Thema:
Interview mit Hans Walker, Landrat des Landkreises Börde (PDF)
Interview mit Erik Hannen, Präses der Kreissynode im Kirchenkreis Egeln (PDF)
Interview mit Horst Koth, Geschäftsführer der Klusstiftung (PDF)